In diesem und im naechsten Artikel moechte ich vom Fluechtlingslager Nuupo berichten.
Ich wurde bereits bei dem Besuch auf der Muellhalde und der Schule von dem deutschen Moench Bernhard eingeladen, mit ihm nach Nuupo zu gehen. Doch es dauerte einige Zeit, bis ich mich wirklich dazu durchringen konnte. Ich fand es schon auf der Muellhalde furchtbar, Leid zu “besichtigen” und nichts dagegen tun zu koennen, da halfen auch die Suessigkeiten und Vitamindrinks nicht, die wir den Menschen dort brachten.
Doch letztlich ergaben sich fuer mich danach doch noch Moeglichkeiten zu helfen, zum Beispiel beim Organisieren einer Art mobilen Gesundheitseinheit, die zu Orten wie diesem geht. Aber das ist eine andere Geschichte. Bernhard sagte mir ausserdem immer wieder, dass sich dort alle ueber ein Besuch freuen wuerden, die Menschen hungern nach Kontakt zur Aussenwelt und jeder der kommt ist ein Zeichen fuer sie, dass sie nicht vergessen werden. Als dann noch klar war, dass auch Andrea mitgehen wuerde, entschied ich mich schliesslich dafuer. Andrea ist eine gebuertige Rumaenin, die aber die meiste Zeit in Deutschland aufgewachsen ist, in England und Neuseeland studiert hat und in Laos bei der UN gearbeitet hat und auch sonst noch recht viel rumgekommen ist, dementsprechend ein bisschen verrueckt aber ein Garant sowohl fuer Spass, als auch fuer konstruktives Arbeiten. Irgendwie erinnert sie mich n bissl an meine Schwester.
Am Donnerstag machten sich also Bernhard, Andrea und ich auf den 7stuendigen Trip nach Nuupo. Ok, ueber die Fahrten koennte ich schon Seiten schreiben, aber ich fasse mal nur kurz zusammen:
Gefaehrt: Songthaew = Pickup, hinten ueberdacht mit kleinen Baenken an den Laengsseiten.
Passagiere: 25 Menschen, Gepaeck, Reissaecke, ein Huhn und drei Schweine (in Taschen!), von denen ich eines mit meinen Fuessen einkeilen musste, damit es nicht runterfaellt, waehrend es am einen Fuss rumknabbert und ueber den anderen scheisst.
Strecke: Genannt der Todeshighway, vorallem wegen frueherer Guerillaattacken, aber auch heute noch wegen extrem hoher Unfallraten aufgrund extrem enger Kurven und versagender Bremsen. Dafuer die gigantischste Dschungellandschaft, die ich in Thailand bisher gesehen habe.
Wegelagerer: Nicht nur ca. 10 Kontrollposten von Militaer und Polizei, die mehr oder weniger intensive Kontrollen durchfuehren, sondern auch mindestens genausoviel Attacken mit Wassereimern und Wasserpistolen von Kindern, denen noch niemand gesagt hat, dass das Wasserfestival erst am 14. beginnt.
Symptome wahrend der Fahrt: Bauchkraempfe (war bereits vorher etwas krank), Uebelkeit (rueckwaerts fahren, Kurven, Steigungen, Schlaglocher, ein Fahrer der wohl Automatikschaltung gewohnt war…), Sonnenbrand (als ich in der Mittagssonne draussen stehen musste), Kopfschmerzen (als ich sass und vom viel zu niedrigen Dach regelmaessig Kopfnuesse bekam), Schuettelfrost (total durchnaesst dem Fahrtwind ausgesetzt aufgrund der oben genannten Wegelagerer)
Ok, genug von exotischen Reisemethoden, zurueck zum eigentlichen Thema: Den Fluechtlingen. Es gibt 7 grosse Camps in Thailand mit insgesamt 200.000 Einwohnern – insgesamt leben aber ca. 2 Millionen Burmesen in Thailand und die meisten davon illegal. Auch die Einwohner der Camps haben nicht mehr als eine Erlaubnis, sich in dem Camp aufzuhalten. Sie koennen nur mit einer speziellen Erlaubnis raus, sie duerfen kein Business eroeffnen, sie haben keine Chance auf Einbuergerung in Thailand. Sie koennen einzig und allein auf ein Drittland hoffen, das sie aufnimmt, fuer die meisten so wie ich mitbekommen habe die USA, in Deutschland versuchen es die meisten gar nicht erst, die Auflagen sind kaum zu erbringen. Wie soll ein Fluechtling beweisen, dass er ein politischer Fluechtling ist? Dass er deshalb in Haft sass? Eine Frage, ueber die ich mich wohl ein bisschen mit meinem Vater unterhalten sollte.
In Nuupo selbst sind 10.000 registrierte Fluechtlinge, aber es sind wohl mindestens 15.000 dort. Mein erster Eindruck war: Dieses Fluechtlingslager ist schoener als Mae Sot. Natuerlich gibt es dreckige stehende Gewaesser, Muell an den Strassen usw., doch nicht so viel wie man es von einem Fluechtlingslager erwarten wuerde. Und vorallem: Alles ist aus Naturmaterialien gebaut, alles auf Pfeilern stehende Bambushuetten – deshalb meine ich schoener als z.B. Mae Sot mit den typischen Steingebaeuden, weil, naja Dreck hat es da auch genug. Doch das schoenste Gefaengnis bleibt ein Gefaengnis – es ist die Hoffnungslosigkeit, durch die Nuupo kein einfaches Dorf, sondern ein Fluechtlingslager ist.
Wir lebten im Tempel, ich schlief auch bei den Moenchen, Andrea in einem Haus daneben. Wir wurden unglaublich freundlich empfangen, und ich hatte das Gefuehl echt freundlich und nicht falsch-asiatisch-eigentlich-hasse-ich-dich-aber-ich-will-dein-Geld-freundlich. Wir assen dort, wurden vom Abt Ashin Kessara durchs Lager gefuehrt und durften am Alltag wie auch einer besonderen Zeremonie teilhaben. Zufaellig fiel auf den Tag an dem Tag, an dem wir da waren, die Ordniation von 30 Moenchen (ueber die Zeit des Wasserfestivals).
Hier ein paar Bilder davon fuer den ersten Eindruck, die zeigen sollen: Die Menschen in Nuupo versuchen ein normales Leben zu fuehren. Den Unterschied macht die Geschichte hinter der Fassade. Im naechsten Bericht moechte ich euch ein paar der Menschen vorstellen, die ich getroffen habe und ihre Geschichte erzaehlen, ausserdem wird es dann mehr Bilder geben, weil die meisten (und besseren) Bilder hat Andrea gemacht, sie muss mir ihre noch schicken.